Helen Zille erhält Reinhold-Maier-Medaille

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source_50d1a16d480d3_saalFestlicher Rahmen im Stuttgarter Hotel Le Méridien – Am 15. Dezember 2012 ist die Südafrikanerin Helen Zille, Vorsitzende der Democratic Alliance (DA) und Ministerpräsidentin des Westkap, eine der neun Provinzen in der Republik Südafrika, in Stuttgart mit der Reinhold-Maier-Medaille ausgezeichnet worden.

source_50d1a16d56577_ruelkeDr. Hans-Ulrich Rülke MdL, Vorsitzender der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, erinnerte an den Besuch Zilles im Landtag, bei dem die Politikerin den FDP-Politikern ins Stammbuch geschrieben habe, man müsse sehen, dass man eine Regierung anführe. Darum werde man sich bemühen, ohne jedoch etwas versprechen zu wollen, sagte Rülke. Jedenfalls ehre in der Regel der Preis einen Preisträger; heute ehre jedoch die Preisträgerin den Preis.

source_50d1a16d61aa4_gollProf. Dr. Ulrich Goll MdL, Vorsitzender der Reinhold-Maier-Stiftung, erinnerte an den Werdegang der Preisträgerin. Helens Vater Wolfgang Zille emigrierte 1934 von Berlin nach Johannesburg in Südafrika. Ihre aus Essen stammende Mutter Mila Cosman floh 1939 nach England und gelangte 1948 nach Südafrika, wo die Eltern sich kennenlernten und 1950 heirateten. Zille studierte an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg. Nach dem Erwerb des akademischen Grades Bachelor begann Zille ihre politische Karriere als Politikjournalistin für die Zeitung The Rand Daily Mail, wo sie hohes Ansehen gewann, nachdem sie die Wahrheit und die Hintergründe von Steve Bikos Tod im Jahr 1977 aufdeckte. Sie war führend in verschiedenen Kampagnen wie der Black-Sash-Bewegung, der End Conscription Campaign und dem South Africa Beyond Apartheid Project sowie dem Cape Town Peace Committee aktiv. 1997 war sie Vorsitzende des Aufsichtsrates der Grove Primary School of South Africa. Sie wurde Bildungsministerin in der Provinz Westkap und anschließend Parlamentsmitglied für die Democratic Alliance (DA). Innerhalb der DA wurde sie schließlich zur stellvertretenden Vorsitzenden der Partei und zur politischen Sprecherin und Sprecherin für Bildungsfragen.

„Freedom you can use.“

Am 15. März 2006 wurde sie mit 106 zu 103 Stimmen zur Bürgermeisterin Kapstadts gewählt, dieses Amt hatte sie auch zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 inne, bei der Kapstadt Gastgeber war. Zille überwachte den Bau und die Finanzierung des Kapstadt-Stadions. Sie nahm sich als Bürgermeisterin besonders des Drogenproblems in Kapstadt an, forderte die Dezentralisierung der Polizei und unterstützte Drogen-Rehabilitations-Zentren. 2008 wurde Helen Zille mit dem Titel „Weltbürgermeisterin“ ausgezeichnet, 2009 legte sie ihr Bürgermeisteramt nieder, um Ministerpräsidentin von Westkap zu werden.

Ulrich Goll zitierte eine Wahlkampfparole der Democratic Alliance, die viel über das Freiheitsverständnis Helen Zilles aussage: „Freedom you can use.“ Dies, so Goll, hätte auch Reinhold Maier gefallen.

source_50d1a215e202f_niebelDirk Niebel MdB, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, erinnerte insbesondere an das Engagement Zilles in der Black-Sash-Bewegung. Sie wurde 1955 als gewaltfreie Bewegung von „weißen“ Frauen gegen die Apartheid in Südafrika gegründet und setzte sich für die Rechte der „Nicht-Weißen“ ein und wurde von Nelson Mandela einst „das Gewissen des weißen Südafrika“ genannt. Niebel schlug die Brücke zur aktuellen Situation in Südafrika, die neben unbestreitbaren Fortschritten in vielfacher Hinsicht nicht einfach sei. Er nannte das Problem der Korruption und das hoch umstrittene Informationsgesetz Südafrikas, das von vielen Bürgerrechtlern kritisiert wird. Entwicklungen wie diese seien Grund für seine Aufforderung an Helen Zille: „Bleiben Sie angriffslustig!“

source_50d1a21602388_morlokMorlok: „Was ich damals gesehen habe, berührt mich noch heute“

Professor Jürgen Morlok, Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, erinnerte sich an seinen ersten Besuch im von Apartheid, Unruhen und Armut erschütterten Südafrika Ende der 70er-Jahre. „Was ich damals gesehen habe, berührt mich noch heute“, sagte Morlok, dem von verschiedenen Rednern Dank für seine Initiative ausgedrückt wurde, Helen Zille mit der Reinhold-Maier-Medaille zu ehren. Morlok erinnerte an das jahrelange Engagement der Stiftung für die Freiheit zugunsten der liberaldemokratischen Kräfte in Südafrika. Dies habe nicht nur dazu beigetragen, aus der Democratic Alliance eine erfolgreiche Partei zu machen, die DA sei in ihrer Zusammensetzung heute wohl auch die am buntesten gemischte Partei.

source_50d1a2161c3a5_preisverleihungIn ihrer Dankesrede erinnerte Helen Zille an die politische Gemengelage, die es ihrem Land über Jahrzehnte sehr schwer gemacht habe: Kennzeichnend seien britischer Imperialismus, Buren-Nationalismus und schwarzafrikanischer Nationalismus gewesen – die Rolle der UdSSR als Marxismus-Exporteuer habe dies noch verkompliziert. Ausländische Experten, wie etwa Henry Kissinger, hatte dies zu pessimistischen Prognosen zur Entwicklung Südafrikas veranlasst – die sie nie habe teilen können. Einer der wesentlichen Gründe für die positive Entwicklung ihres Landes sei dabei dessen starke Marktwirtschaft gewesen, die geholfen habe, die Ideologie der Rassentrennung zu überwinden. Auch hätten Liberale einen überproportional hohen Anteil an der Erarbeitung der neuen Verfassung gehabt – man habe schließlich Jahrzehnte Zeit gehabt, über deren Inhalte nachzudenken.

source_50d1a21630afe_zille_saalAuch persönliche Worte fehlten nicht in Helen Zilles Beitrag. So erinnerte sie sich an Momente, die für ihre frühe Politisierung nicht bedeutungslos gewesen sein dürften, zum Beispiel die Aufgabe, morgens ihrem Vater im Auto aus The Rand Daily Mail, einer Zeitung mit Anti-Apartheid-Kurs vorzulesen.

Nie zuvor sei es so spannend gewesen, in Südafrika zu leben ? und alle Pessimisten zu widerlegen. So schloss Helen Zille ihren „ganz großartigen Vortrag“ (so Birgit Homburger, Vorsitzende der Südwest-FDP).

Die Reinhold-Maier-Medaille wird im Wechsel von der Reinhold-Maier-Stiftung, der FDP/DVP-Landtagsfraktion und der FDP Baden-Württemberg an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um den Liberalismus und den Wert der Freiheit verdient gemacht haben. Reinhold Maier war bislang der einzige FDP-Politiker, der das Amt des Regierungschefs in einem noch heute existierenden deutschen Bundesland bekleidet hat.

Boris Eichler (Quelle und Fotos unter http://www.freiheit.org/Aktuelles-International/617c23424i2p/index.html)

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Autor:Reinhold Maier Stiftung