Auf und über Hohzenzollern: Liberale erinnern an einen hoffentlich nicht vergessenen Landteil

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Blick von der Burg Hohenzollern

Blick von der Burg Hohenzollern

Wer die Bezeichnung „Hohenzollern“ hört, denkt heute in erster Linie an das Adelsgeschlecht, aus dem die preußischen Könige und späteren deutschen Kaiser abstammten. Vor Ort taucht dieser Name noch bei der „Hohenzollerischen Landesbahn“ auf, die von Tübingen aus durch eine malerische Landschaft fährt. Eigentlich ist Hohenzollern in Baden-Württemberg schon fast vergessen. Zu Unrecht, wie ein Seminar der Reinhold-Maier-Stiftung auf der Burg Hohenzollern, hoch über Hechingen, bewiesen hat. Die Hohenzollerischen Lande gehörten jahrhundertelang zur südwestdeutschen Landkarte, sie existierten eigenständig, zwischen Baden und Württemberg gelegen, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Perfekter Tagungsort

Perfekter Tagungsort

Einen besseren Tagungsort als die Burg Hohenzollern am Rande der Schwäbischen Alb konnte dafür nicht gefunden worden. Hier befand sich der Stammsitz der Hohenzollern-Dynastie, der dann als romantisch-historisierende Burganlage Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut wurde. Angesichts dieser historischen Größe war es ein Zeichen des zivilen Bürgersinnes, dass der regionale Landtagsabgeordnete und Verwaltungsrat der liberalen Landesstiftung, Andreas Glück, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Begrüßung erst einmal dazu einlud, mit ihm das Hohenzollernlied im Schlosshof zu singen, das er mit der Gitarre begleitete. Viele Regionen würden bis heute zur Identität des unter maßgeblicher Mitwirkung Reinhold Maiers gegründeten Südweststaates beitragen, betonte Andreas zur Eröffnung.

Bei einer Schlossführung stellte Harald Paulsen die Burg „als romantischen Ausdruck eines königlichen Traumes und Denkmal einer werdenden Kaiserdynastie“ vor. Von der Schatzkammer bis zum Fahnenturm wurden die geschichtsträchtigen Bauwerke erkundet. Zu den vielen Schaustücken in den Prunkräumen steuerte er vergnügliche Anekdoten bei. Der frühere Hechinger Stadtrat machte aber auch die vielen geschichtlichen Linien deutlich, die von diesem einstigen Stammsitz der Hohenzollern ausgingen oder zu ihm führten.

Dr. Volker Trugenberger

Dr. Volker Trugenberger

In der Tradition der südwestdeutschen Demokraten musste es mit der Adelsherrlichkeit aber nun genug sein. Dr. Volker Trugenberger, der Vorsitzende des Hohenzollerischen Geschichtsvereins, merkte gleich zu Beginn seiner Ausführungen über die Geschichte der hohenzollerischen Lande an, dass der Tagungsort für eine liberale Stiftung einer gewissen Pikanterie nicht entbehre: Die Burg Hohenzollern sei in ihrer romantischen, ans Mittelalter erinnernden Architektur ein nationales Monument einer restaurativen Sehnsucht der preußischen Herrscher gegen den Willen des aufbegehrenden Volkes im 19. Jahrhundert. Dieses sei in den hohenzollerischen Ländereien um Hechingen und Sigmaringen zum Teil des preußischen Volkes geworden. Die Eigenständigkeit konnte bewahrt bleiben, wenn sie auch nach dem Zusammenbruch der deutschen Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg in zunehmendem Maße zum eigentümlichen Fremdkörper zwischen Baden und Württemberg geworden sei. Einen letzten und unrühmlichen Höhepunkt erlangte die Sigmaringer Hohenzollernresidenz am Ende des Zweiten Weltkrieges, als sie zum extraterritorialen Regierungssitz des aus Frankreich vertriebenen Vichy-Regimes geworden war, das mit dem NS-Regime bis zum Ende paktierte.

Liberale Profile aus diesem Land Württemberg-Baden stellten die Historiker Dr. Jan Havlik und Jochen Merkle vor. Da wurde unter anderem an den bedeutenden Tübinger Bildungspolitiker Walter Erbe erinnert, der zu den Gründern der Friedrich-Naumann-Stiftung gehörte, an den liberalen Freigeist Theodor Eschenburg als Begründer der modernen Politikwissenschaft und an den Reutlinger Abgeordneten Eduard Leuze, der als Wirtschaftsminister und FDP-Fraktionsvorsitzender maßgeblichen Anteil am Aufschwung des Südweststaates hatte.

Hagen Kluck

Hagen Kluck


Zu einem Ausflug in die Geschichte der FDP in Südwürttemberg-Hohenzollern lud Hagen Kluck als Verwaltungsrat der Reinhold-Maier- Stiftung ein, der auf kurzweilige Weise und mit der Schilderung eigener Erlebnisse geschmückt die Geschichte der FDP in dieser Region darstellte. Dass sie sich als etwas ganz Besonderes sahen, zeigt eine bislang einmalige Episode in der liberalen Parteigeschichte: Beim Bundesparteitag der FDP 1952 traten der Landesverband Baden-Württemberg und der Landesverband Südwürttemberg-Hohenzollern separat auf, als Zeichen dafür, dass die Menschen zwischen Alb und Bodensee ihren Landesteil nicht der Vergessenheit anheim geben wollten.

Dr. Jan Havlik

Dr. Jan Havlik


Werner Erbe verwies als letzter FDP-Bezirksvorsitzender von Südwürttemberg-Hohenzollern auf den Ort des Geschehens: Auf der Burg Hohenzollern hatte man den großen Bezirksverband vor exakt 40 Jahren aufgelöst und seine Nachfolgeverbände Neckar-Alb und Bodensee-Oberschwaben gegründet. Moderator Alfred Eger, der die aus vielen Teilen des Landes gekommenen Teilnehmer kenntnisreich durch das Seminar führte, war als damaliger hauptamtlicher Geschäftsführer sozusagen der „liberale Liquidator“ des Bezirksverbandes Südwürttemberg-Hohenzollern. Dass hingegen die derzeit „aus der Mode gekommene Idee der Freiheit nicht liquidiert werden darf“, machte Hagen Kluck klar: „Wir brauchen diese Idee nicht nur hier im Süden, sondern auch im Norden, Westen und Osten. Aber der liberale Süden sollte bei ihrer Wiedergeburt in südwürttembergisch-hohenzollerischer Tradition eine wichtige Rolle spielen“.

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Autor:Reinhold Maier Stiftung