„Die Schwaben sind jefährliche Leute, aber der Doktor Maier ist der jefährlichste!“ – Reinhold-Maier-Stiftung feiert 125. Geburtstag ihres Namenspatrons

Kategorien: Berichte,Video

Den 125. Geburtstag Reinhold Maiers nahm die nach ihm benannte liberale Landesstiftung zum Anlass, in mehreren Veranstaltungen im Remstal an den ersten Ministerpräsidenten Baden-Württembergs und späteren Ehrenvorsitzenden der FDP zu erinnern.

IMG_7598Den Auftakt der Reihe bildete ein Festakt in der Alten Kelter in Fellbach, dem über 200 Gäste beiwohnten. Mit einem Zitat Victor Hugos, wonach „nichts mächtiger ist als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, erinnerte der Vorsitzende der Reinhold-Maier-Stiftung, der langjährige Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll, an die größte politische Leistung Maiers: die Gründung des Südweststaats aus den drei Ländern Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden, die der Liberale in einer breiten politischen Koalition gegen den Widerstand der CDU 1952 durchgesetzt hat. Dies sei eine historische Entscheidung gewesen, die untrennbar mit dem Namen Reinhold Maiers verbunden bleibe, da sie bis heute die einzige Länderfusion sei, die nach 1945 in Deutschland gelungen ist“, so Goll.

 

IMG_7643Auch der Landesvorsitzende der FDP/DVP, der Europaabgeordnete Michael Theurer, würdigte Maier in seinem Grußwort als einen großen Politiker, „der in schwieriger Zeit liberale Flagge gezeigt hat.“ Er habe in der politisch extrem schwierigen Zeit zwischen 1930 und 1933 als Wirtschaftsminister von Württemberg Verantwortung übernommen und sich nicht weggeduckt, auch wenn seine Zustimmung als Reichstagsabgeordneter zum Ermächtigungsgesetz ein großer Fehler gewesen sei. Wie andere Demokraten habe Reinhold Maier, der mit einer Jüdin verheiratet war, unter dem Nationalsozialismus gelitten. Als großartiges Verdienst für die Demokratie bezeichnete Theurer das Engagement und die Verantwortungsübernahme Maiers beim Aufbau staatlicher Strukturen nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenige Monate nach Kriegsende wurde Maier von der amerikanischen Militärregierung als Ministerpräsident von Nordwürttemberg-Nordbaden eingesetzt und holte seinen Weggefährten, den späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss, als Kultminister in die Regierung.

IMG_7678In seinem anschließenden Festvortrag skizzierte der früherer Staatsminister Prof. Karl Moersch, der Maier im politischen Geschäft noch aktiv erlebt und begleitet hat, ihn als einen pragmatischen und innovativen Politiker. Er habe die Menschen begeistern können und immer wieder überrascht. So habe er als württembergischer Wirtschaftsminister nach der Weltwirtschaftskrise beispielswiese mit der Elektrifizierung der Eisenbahn, dem Ausbau des Neckars und des Personennahverkehrs in der Region Stuttgart im Kern eine keynesianische Politik verfolgt. Im schwierigen Bundestagswahlkampf 1957 habe der passionierte Wanderer als frischgekürter FDP-Bundesvorsitzender mit dem ungewöhnlichen Vorschlag einer Umweltgesetzgebung zum Schutz der Natur und des Waldes bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Dass Maier nicht erst seit seinem Coup, als Vertreter einer kleinen Partei zum ersten Ministerpräsident eines neu geschaffenen Bundeslandes gewählt zu werden, ein Gegenspieler Adenauers war, verdeutlichte Moersch mit einem Adenauer-Zitat: „Die Schwaben sind jefährliche Leute, aber der Doktor Maier ist der jefährlichste!“.

 

IMG_7714Im anschließenden, vom Stiftungsvorsitzenden Prof. Goll moderierten Podiumsgespräch stellten Dr. Hans-Ulrich Rülke, Fraktionschef der FDP/DVP im Landtag von Baden-Württemberg, und Michael Theurer heraus, dass man von Maier auch heute noch viel lernen könne. Sein Konzept der Graswurzeldemokratie sei ein Erfolgsrezept. Rülke kündigte an, die Liberalen wieder als bürgernahe Partei ganz im Sinne Reinhold Maiers zu positionieren: „Wir werden deutlich machen, wofür wir stehen und was wir besser machen wollen als die anderen“.

Artikel teilen:
Autor:Reinhold Maier Stiftung