„Was ist nur in Korea los?“

Kategorien: Berichte

Lars-André Richter
Die geteilte koreanische Halbinsel rückt immer wieder in den Mittelpunkt des Interesses, gestützt von Medienberichten vor allem über den Norden unter seinem kommunistischen Regime. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat ein Stiftungsbüro in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, das von Lars André Richter geleitet wird. Im Zuge der politischen Bildung und Information war es dem Stuttgarter Regionalbüro gelungen, diesen profunden Kenner der politischen Verhältnisse eines der letzten Konfrontationsplätze des Kalten Krieges zu einer Veranstaltung nach Stuttgart zu gewinnen.

Vor einem vollen Saal gab er einen detaillierten Überblick über die koreanische Halbinsel. Dabei ging es nicht in erster Linie um neue Schreckensberichte von der nordkoreanischen Diktatur, sondern um die langfristigen Perspektiven der Menschen in diesem geteilten Land. Ausgehend von der Geschichte Koreas, das seit den 50er Jahren in zwei ideologische Gegnerstaaten getrennt ist, schilderte er die politischen Verhältnisse und Systeme, die sich bewaffnet und scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen.

Der Vortrag stieß auf großes Interesse.
Die feinen Strukturen der Absichten und Vorhaben auf beiden Seiten spiegeln sich in den deutschen Medienberichten oftmals nicht wieder. Unter dem Begriff der „Trust-Politik“, der an die „Ost-Politik“ der beiden deutschen Staaten erinnern soll, die seit den 70er Jahren schließlich zur friedlichen deutschen Wiedervereinigung geführt hat, verfolgt Südkorea seit einiger Zeit einen versöhnlichen, aber an klaren Prinzipien orientierten Kurs. Das ist gegenüber dem kommunistischen Regime nicht einfach, das sich auf der einen Seite als waffenstarrende Atom-Macht präsentiert, auf der anderen Seite aber humanitäre Hilfe benötigt und wirtschaftlichen Anschluss sucht. Die „Sonnenschein-Politik“ der vergangenen Jahre, die in kleinen Schritten zu versöhnlichen Signalen auf beiden Seiten geführt hat, wurde somit angepasst an die neuen Verhältnisse angepasst.

Angesichts dieser rätselhaften und für den Frieden letztendlich schicksalshaften Verhältnisse in einem weitgehend abgeschotteten Land gelang es Richter, ein Bild von Nordkorea zu entwickeln, das auch die Entwicklungschancen darstellt. Spektakuläre Schlaglichter sind sicherlich die internationalen Ängste, die der relativ neue und junge nordkoreanische Machthaber Kim Jon Un im vergangenen Jahr mit immer wiederkehrenden Drohungen an die internationale Gemeinschaft ausstieß, die er mit Raketen- und Atomwaffenprogrammen untermalte. Neuerlich kam noch die kaltblütige Hinrichtung seines Onkels, Jang Song Thaek dazu, die die Weltöffentlichkeit schockierte. Aber gerade diese „Schock-Eindrücke“ täuschen darüber hinweg, dass sich auch in Nord- und Südkorea Entwicklungen vollziehen, die die Hoffnung auf Frieden und Freiheit für die gesamte Halbinsel bestehen lassen.

Richter und Regionalbüroleiter Havlik
Richter und Regionalbüroleiter Havlik

In kleinen Schritten gibt es Hoffnung für einzelne, wie z.B. die Familienbegegnungen, die das nordkoreanische Regime für teilweise seit Jahrzehnten getrennte Familien auf beiden Seiten der abgeschotteten Grenze in Aussicht stellt. Geplant sind weitere Sonderwirtschaftszonen im Norden, die Tourismus und Industriezentren im Blick haben. Bei vielen dieser Vorhaben besteht ein Kontakt zur Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die behutsam und fachkundig zu Schritten der Öffnung ermutigt und sie mit Veranstaltungen und Austauschprogrammen begleitet. und deren Kontakt und Engagement von allen Seiten hoch geschätzt wird.

Dennoch ist die Entwicklung nicht frei von Sorgen. Wie Richter ausführte, ist Korea nur ein möglicher Spannungsherd in Südostasien, wo Machtansprüche und eine zum Teil blutige Vergangenheit aufeinandertreffen. Zukunftsszenarien reichen so von der friedlichen Aussöhnung bis zu einer weltweiten Kriegssituation – eine große Verantwortung, in der sich die internationale Gemeinschaft befindet.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit setzt in Südostasien und speziell in Südkorea auf Kontinuität und die Unterstützung der liberalen Prinzipien für wirtschaftliche Freiheit und Rechtsstaat, in einzelnen Projekten auch im kommunistischen Norden. Wie sich in der an den Vortrag anschließenden Diskussionsrunde zeigte, sorgt eben diese Arbeit, die den Menschen in Korea näher ist als ideologische oder bewaffnete Kämpfe, für die Möglichkeiten auch hier in Deutschland, dieses Land besser kennenzulernen. Grundlage für diese Entwicklungen sind Frieden, Wohlstand und Rechtsstaat. Diese Schritte sind klein und der Weg ist lang, aber wie ein koreanisches Sprichwort sagt: „Der Anfang ist die Hälfte des Weges“. Dass viele Anfänge immer wieder gemacht werden, wird durch die liberale Stiftungsarbeit in Seoul für ganz Korea unterstützt.

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Autor:Marius Livschütz