Wie würde unser Land wohl ohne Reinhold Maier aussehen? Reinhold-Maier-Stiftung und Schorndorf feiern den 125. Geburtstag des Südweststaat-Gründers

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Zu einer feierlichen Matinée anlässlich des 125. Geburtstags des Südweststaat-Gründers Reinhold Maier hatte die liberale Landesstiftung gemeinsam mit dessen Heimatstadt Schorndorf in die Städtischen Galerien für Kunst und Technik eingeladen. In seiner Eröffnung erwähnte Oberbürgermeister Matthias Klopfer, dass Maier gemeinsam mit Gottlieb Daimler zu den größen Söhnen der Stadt gehöre, auf deren Leistungen man stolz sein könne.

Er sei froh, dass Maier – nicht zuletzt durch die Arbeit der nach ihm benannten Stiftung – im kollektiven Gedächtnis einen festen Platz hätte und sein politisches Erbe bewahrt werde. Daran haben Stadt und Stiftung auch in der Feierstunde am Grab Reinhold Maiers auf dem Alten Friedhof mit einer Kranzniederlegung erinnert.

In seiner Begrüßungsrede griff der Vorsitzende der Reinhold-Maier-Stiftung, Prof. Dr. Ulrich Goll, das Bild von den großen Söhnen der Stadt auf und stellte den etwa 100 Gästen die Frage, wie das Land wohl ohne die beiden Schorndorfer aussehen würde – ohne den Erfinder und Unternehmer Daimler, dessen Innovation eine technologische Revolution ausgelöst habe und ohne Maier, der zunächst für den Wiederaufbau demokratischer Strukturen nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte und danach die drei Staaten des Südwestens im neuen Land Baden-Württemberg zusammenführte. Maier sei ein Politiker gewesen, der die Sorgen und Nöte der Bevölkerung verstanden habe und versucht habe, entsprechende Lösungen herbeizuführen. „Man kann durchaus sagen: Maier hat dem Volk aufs Maul geschaut, aber nie nach dem Munde geredet.“, sagte der frühere Justizminister.

Er sei insofern – bei aller Schläue und politischen Taktik, die man dem „Fuchs aus dem Remstal“ nachsagte – stets ein Verantwortungspolitiker geblieben, dem es auf das Ergebnis ankam, nicht auf die Verfolgung eigener Prinzipien, wie es Gesinnungspolitiker tun würde. Das habe Maier als „Volksmann“ im Sinne der demokratischen Brüder Haußmann ausgezeichnet, über die er 1964 selbst einen Aufsatz für die Jubiläumsschrift „100 Jahre Demokratische Volkspartei“ verfasste. Damit dieser Beitrag wie auch zwei weitere, vergriffene Reden Maiers, nicht verloren gingen, habe die Reinhold-Maier-Stiftung anlässlich des Geburtstags des Namenspatrons eine kleines Bändchen in ihrer Schriftenreihe publiziert, das daneben auch eine Tafel mit biographischen Daten zu Maier enthält.

Im Anschluss an die Rede Golls fand unter dem Titel „Erinnerungen an Reinhold Maier“ eine Gesprächsrunde statt, die der frühere Chef der Landespartei und Fraktion, Prof. Dr. Jürgen Morlok, moderierte. Dazu konnte er neben dem aktuellen Landesvorsitzenden der Liberalen, Michael Theurer, zwei „Zeitzeugen“ begrüßen, die Maier persönlich aus nächster Nähe erlebten und ihn politische begleiteten: Ingrid Walz als Referentin und Mitarbeiterin Maiers in der Landtagsfraktion sowie Prof. Karl Moersch, der während Maiers aktiver Zeit Pressechef der Bundespartei war. Zunächst fragte Prof. Morlok, der heute als Kuratoriumsvorsitzender der von Maier 1958 mitbegründeten Friedrich-Naumann-Stiftung aktiv ist, nach ihren persönlichen Erfahrungen bzw. Eindrücken von Reinhold Maier.
Ingrid Walz, deren Familie wie Maier aus dem Remstal stammt und ihn schon als Kind persönlich erlebte, sagte, das Volk habe die sympathische Erscheinung Maiers respektiert und ihm seine teils derbe Ausdrucksweise nicht übel genommen. „Maier war eine Legende“, betonte Walz, „und füllte die Rolle des Landesvaters bestens aus.“ Er habe die Remstalpolitik, die nichts mit „Kirchturmpolitik“ gemein habe, sondern für eine umsichtige Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern stehe, überzeugend verkörpert und als politisches Konzept für die Entwicklung des ganzen Landes tragfähig gemacht. Für das Zusammenwachsen Baden-Württembergs sei dies eine ganz bedeutende Leistung, die bis heute wirkt, so die ehemalige Stuttgarter Landtags- und Bundestagsabgeordnete Walz.

Bei Konrad Adenauer hingegen sei Maier weniger beliebt gewesen, schilderte Karl Moersch, der sich auch wissenschaftlich intensiv mit Maier beschäftigt hat. Adenauers Ausspruch im Streit um die Gründung eines Südweststaats „Die Schwaben sind jefährliche Leute, aber der jefährlichste ist der Doktor Maier!“ verdeutliche, dass er Maier, der einen starken Föderalismus vertrat, als Widersacher empfunden hat. Maiers Äußerung, „man muss das schwarze Gewürm, wo man es trifft, auf Kopf, Bauch und Schwanz treten“, zeige aber auch deutlich, dass sich beide nichts schenkten. Als wichtige Leistungen erwähnte Moersch darüber hinaus noch die programmatischen Impulse Maiers, wie etwa die Sensibilisierung für den Schutz des Waldes und die Sauberkeit von Luft und Wasser. Damit habe er bereits im Bundestagswahlkampf 1957 ein Thema gesetzt, das eine andere Partei erst 20 Jahre später entdeckte.

Michael Theurer bezeichnete Reinhold Maier als einen „Mutmacher“, der stets Verantwortung für Land und Leute übernommen habe und seiner Partei auch in schwierigen Phasen immer beiseite gestanden habe, gleich ob es sich um die Neugründung der DVP nach 1945, die Wahl zum ersten Ministerpräsidenten Baden-Württembergs oder um die Übernahme des Bundesvorsitzes im Jahr 1957 gehandelt habe. Er habe es wie nur wenige vermocht, die Leute nicht nur von liberaler Politik zu überzeugen, sondern sogar zu begeistern. Solch ein Charakterkopf, zudem mit so viel politischer Weitsicht, taktischem Geschick und klarer Werthaltung, sei nach wie vor Vorbild für Liberale.

Jochen Haußmann, der als Mitglied des Verwaltungsrats der Reinhold-Maier-Stiftung und als örtlicher Landtagsabgeordneter das Schlusswort sprach, sagte, dass Maier als Vorkämpfer der Graswurzeldemokratie in Deutschland neben seiner Bodenständigkeit obendrein über Selbstbewusstsein und viel Humor verfügte. Dies komme in einem Ausspruch gegenüber einem befreundeten General der US-Besatzungsstreitkräfte über die Bedeutung des Parlamentarismus besonders deutlich zum Ausdruck: „Mir hend in Württemberg scho an Landtag g’het, do isch euer Kolumbus no uf’m Häfele g’hockt.“

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Autor:Reinhold Maier Stiftung