Liberaler Förderer von Chancengerechtigkeit und Verständigung – der Stuttgarter Kommunalpolitiker Klaus Peter Hönig erhält die Reinhold-Maier-Nadel

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Riesengroß war das Interesse an der Verleihung der Reinhold-Maier-Nadel für den Stuttgarter Kommunalpolitiker Klaus Peter Hönig, die am 1. Juli im Ratskeller Stuttgart stattfand. Der Festsaal „Herzog Eberhard“ war bis auf den letzten Platz gefüllt, auch wenn aufgrund des Zuschauerzustroms mehrfach neue Sitzreihen nachbestuhlt wurden. Der große Zuspruch wundert nicht, wurde an diesem Abend doch einer der profiliertesten Kommunalpolitiker für sein Verdienst um den Liberalismus geehrt, der in den letzten Jahrzehnten für Stuttgart tätig war.

Kommunalpolitisches Engagement mit konkretem Nutzen der Menschen vor Ort

Hönig (li.), Goll (re.)

Hönig (li.), Goll (re.)

In seiner Laudatio bekannte Prof. Dr. Ulrich Goll, Vorsitzender der Reinhold-Maier-Stiftung, dass er Schwierigkeiten habe, all die Funktionen zu nennen, in denen Hönig über die Jahre hinweg tätig war, denn man fände kein Ende bei den Dingen, die erwähnenswert wären. Dabei seien in der Kommunalpolitik nicht die absoluten Highlights die Regel, sondern eher die Mühen der Ebene, die kleinteilige Detailarbeit – wie etwa die Einführung des Fahrradwagens der Stuttgarter Zahnradbahn, die auf Hönigs Initiative hin erfolgte und mit der man nun die Höhen der Filderebene ohne Zusatzkosten auch mit dem Drahtesel  bequem erklimmen kann.

 

Seit 1969 Mitglied der Freien Demokraten, war Hönig insgesamt 33 Jahre lang Vorsitzender der Stadtgruppe Degerloch seiner Partei (zunächst von 1976 bis 1989, dann noch einmal von 1994 bis 2014). 15 Jahre lang war er Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats, von 1989 bis 1994 zudem Vorsitzender der FDP/DVP-Gemeinderatsfraktion. Hönig machte sich dabei einen Namen als Meister des politischen Ausgleichs. So führte er im Streit um die Startbahnverlängerung am Stuttgarter Flughafen Mitte der 90er Jahre einen bis heute tragbaren Kompromiss zwischen den Vorstellungen von CDU und SPD herbei.

Brückenbauer und verlässlicher Partner

Fezer

Fezer

Bürgermeisterin Isabel Fezer, die heute im Rathaus mit dem Referat Soziales, Jugend und Gesundheit nur einige von vielen Sachbereichen vertritt, in denen Peter Hönig über die Jahre seiner kommunalpolitischen Arbeit tätig war, lobte in ihrem Grußwort zunächst den Posaunenchor, dessen Mitglied Hönig selbst seit Jahrzehnten ist, und dem es in kurzen Zwischenspielen immer wieder gelang, die lautstarken Blasinstrumente in dem geschlossenen Raum gepflegt und gezügelt zum Einsatz zu bringen. Von Hönigs Qualitäten hob Fezer besonders sein Einfühlungsvermögen, seine Überzeugungskraft und seine Verlässlichkeit hervor, die ihn beim Schmieden politischer Kompromisse zu einem stets vertrauenswürdigen Partner auch für Stadträte aus anderen Fraktionen machte. Wenn man sich einen „Graswurzeldemokraten“ im Sinne Reinhold Maiers basteln müsse, so wäre das wohl Klaus Peter Hönig. Denn er habe stets nach der von Maier geprägten Maxime gehandelt: „Die in der Politik als klein empfundenen Dinge sind in Wirklichkeit die großen Sorgen der Menschen.“

Ökumenisches Engagement

Doch auch auf anderen gesellschaftlichen Gebieten jenseits des Rathauses tritt Peter Hönig seit vielen Jahren für liberale Wertvorstellungen ein. Die Diversität der Weggefährten, die in der Feierstunde zu Wort kamen, macht die Bandbreite seines Engagements deutlich.

Hönig (li.), Jakubowski (re.)

Hönig (li.), Jakubowski (re.)

So kam direkt nach Dekan i. R. Bernhard Lang, der Hönig schon seit gemeinsamen Schulzeiten kennt und der später sein Gemeindepfarrer in der evangelischen Kirche wurde, Frau Susanne Jakubowski, Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, zu Wort. Denn Hönig war über zehn Jahre hinweg auch Sprecher der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie Vorsitzender des Kirchengemeinderats der evangelischen Kirche Degerloch. Die Sicherung von Religionsfreiheit und die Versöhnung der Religionen ist ein zentraler Bestandteil der liberalen Agenda.

Chancengerechtigkeit im Mittelpunkt

Hönig

Hönig

In seiner Entgegnung blieb Hönig bescheiden und bedankte sich im Namen der durch ihn vertretenen Institutionen, denen die Ehrung eigentlich gelte. Er wolle all den Lobpreisungen nicht widersprechen, denn, wie schon der französische Dichter La Rochefoucauld sagte: „Man weist ein Lob zurück in dem Wunsch, nochmals gelobt zu werden.“ Im Mittelpunkt seines beruflichen Schaffens sei seine Lehrtätigkeit gestanden, die er zwischen 1965 und 2000 an der Technischen Oberschule ausübte, während er parallel beratend am Oberschulamt Stuttgart tätig war. Er wollte sich aber nicht ständig nur in diesen Kreisen bewegen, denn, und hier zitierte er Christoph Lichtenberg: „Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht“.

 

So wie er sich bewusst für die Berufsschule anstelle des renommierteren Gymnasialzweiges entschieden hatte – ganz im liberalen Sinne die Chancengerechtigkeit fördernd – so setzte Hönig sich auch schon zu einer Zeit, als dies nicht breiter gesellschaftlicher Konsens war, dafür ein, dass Frauen gleiche Chancen haben sollten, öffentliche Ämter zu bekleiden wie Männer. Ausgehend von Schulbüchern, in denen er im Rahmen seiner Arbeit für das Oberschulamt die klassische Rollenverteilung („Max, das Feuerwehrauto“ und „Maria“, die Hausfrau am Herd) zugunsten eines moderneren Geschlechterverständnisses aktualisierte, stellte er im Gemeinderat bald die Frage, warum Frauen eigentlich nicht Mitglied der Feuerwehr sein dürften. Später setzte er sich dafür ein, dass erstmals eine liberale Frau den Posten eines Bürgermeisters bekleiden konnte.

 

Serwani

Serwani

Peter Hönig, so der Kreisvorsitzende der FDP Stuttgart, Armin Serwani, in seinem Schlusswort, sei das Gesicht der Freien Demokraten in Degerloch. Seine Wortmeldungen wären von Einigen stets gefürchtet, weil sie immer genau den Punkt träfen. Seit Jahrzehnten habe er die Partei auch auf Bundesparteitagen vertreten. Dies müsse besonders lobend erwähnt werden, denn sei ja bekannt, dass jedes Jahr in Verantwortung in der FDP die Spuren von zwei Menschenjahren hinterlasse.

 

 

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Autor:Georg Mannsperger