Verleihung der Reinhold-Maier-Nadel an den Karlsruher Kommunalpolitiker Jürgen W. Morlock

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In der Feierstunde wurde die Tradition freiheitlichen Gestaltungswillens bis hin zu Goethes Faust zurückverfolgt

Es war ein besonderer Moment, als der Ehrenvorsitzende der Freien Demokraten in Baden-Württemberg, Prof. Dr. Jürgen Morlok, in Karlsruhe-Wolfartsweier die Reinhold-Maier-Nadel übergab, mit der die gleichnamige Stiftung Personen ehrt, die sich in Baden-Württemberg in besonderer Weise um den Liberalismus verdient gemacht haben. Die Nadel ging nämlich an den Namensvetter des Laudators, an Jürgen W. Morlock – und es war nicht das erste Mal, dass sich die Wege der beiden liberalen „Urgesteine“ kreuzten. Der Preisträger berichtete von seinen frühesten Anfangstagen in der liberalen Bewegung, als es zu einer Namensverwechslung gekommen sei und das Honorar für einen Zeitungsbeitrag fälschlicherweise ihm statt seinem Parteigenossen überwiesen worden sei; da ihm das Geld förmlich aufgedrängt worden sei, habe er sich dann ein Bier davon gegönnt.

 

IMG_8575Diese Anekdote sei jedoch nicht ausschlaggebend dafür gewesen, dass er zur FDP gekommen sei. Auch eine kurze Begegnung als Junge mit „Papa Heuss“ bei einem privaten Besuch in der Nachbarschaft sei es nicht gewesen. Sondern ein ganz praktischer Anlass brachte ihn in die Kommunalpolitik, ganz aus dem Bestreben heraus, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern: In dem seit den frühen Siebzigerjahren andauernden Streit um die Durchgangsstraße, mit der die B3 seinen Heimatort Wolfartsweier querte – mit einer Fahrbahnbreite von streckenweise weniger als 6 Metern die engste Bundesstraßen-Ortsdurchfahrt Deutschlands mit enormer Lärmbelastung für die Anwohner – setzte er sich hartnäckig für den Bau einer Umgehungsstraße ein. Dieses Ziel konnte schließlich im Jahr 2005 erreicht werden.

 

Eigenverantwortliches Handeln als Triebfeder des demokratischen Gemeinwesens

 

Die Orientierung an den kommunalen Bedürfnissen als Keimzelle der Bürgergesellschaft hob auch Prof. Morlok in seiner Laudatio hervor. Ein Staat lebe nur dann, wenn er von unten nach oben gebaut werde – und nicht umgekehrt. Der Ehrenpreisträger sei ein Musterbeispiel für jenen mündigen Bürger, der für sich und andere Verantwortung übernimmt, indem er Dinge für die Gemeinschaft (res publica) selbst in die Hand nimmt, anstatt umgekehrt darauf zu warten, dass der Staat etwas für ihn tue.

 

Macher-Mentalität statt Warten auf den Staat

 

Maier-Nadel4kMit dieser Auffassung lebt Jürgen W. Morlock die in der Verfassung verankerte Gestaltungsfreiheit des Einzelnen vor. Doch Freiheit ist kein Selbstläufer. Sie lebt nur, wenn Menschen sie nicht nur konsumieren, sondern auch darin investieren. Prof. Morlok verwies in diesem Zusammenhang auf Goethes Faust, der bekanntermaßen in seinen letzten Worten zu der Einsicht kam: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss“.

 

Ehrenamt unentbehrlich für den Liberalismus

 

Gerade weil kommunalpolitisches Engagement mit ungeheuer viel Kleinarbeit und manchmal auch mit frustrierenden Momenten verbunden ist, so schloss Prof. Morlok, sei die ehrenamtliche Mitarbeit gerade in der Freien Demokratischen Partei mit ihrer nur schwach ausgeprägten hauptamtlichen Struktur nicht hoch genug zu schätzen.

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Autor:Georg Mannsperger