Buchpräsentation: Südwest-Liberalismus – Dokumente aus sieben Jahrzehnten

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cover_blau_gelb.inddAm 18. September 1945 kamen in Stuttgart rund dreißig Männer und Frauen zusammen, unter ihnen die liberalen „Urgesteine“ Reinhold Maier, Theodor Heuss und Wolfgang Haußmann, um die „Demokratische Volkspartei Groß-Stuttgart“ zu gründen – die Keimzelle der heutigen FDP/DVP in ihrem Stammland.

 

Neuerscheinung dem Publikum vorgestellt

Am Vorabend des 70. Jahrestags dieses historischen Moments präsentierte die Reinhold-Maier-Stiftung ihren Band „Südwest-Liberalismus. Dokumente aus sieben Jahrzehnten“ – ein Lesebuch, in dem sich anhand von Reden, Interviews und Parteibeschlüssen die wesentlichen Meilensteine aus 70 Jahren organisiertem Liberalismus in Baden-Württemberg im Wortlaut der politisch prägenden Figuren nacherleben lassen (hier können Sie das Buch bestellen).

 

Prof. Goll zur Gründungsphase der Landespartei

Eingeleitet wurde die Buchvorstellung von Prof. Dr. Ulrich Goll, dem Vorsitzenden der Reinhold-Maier-Stiftung, der als ehemaliger Landesjustizminister und stellvertretender Ministerpräsident der FDP/DVP-Fraktion selbst zu den prominenten Köpfen liberaler Politik im Land zählt. Auch er erinnerte an jene Zusammenkunft der Parteigründer vor 70 Jahren in Wolfgang Haußmanns Privathaus, das passenderweise auch als „Demokratenschlössle“ bekannt geworden sei: „Nach Kriegsende noch ein unzerstörtes Haus in Stuttgart zu haben, das bedeutete schon was“. So beschrieb er den Geist des demokratischen Wiederaufbaus, von dem die Gründungsphase geprägt war.

Doch „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“. Mit diesem Zitat des humanistischen Staatsmanns Thomas Morus leitete Goll über zu einer hochkarätigen Podiumsdiskussion, bei der er mit dem Landesvorsitzenden Theurer dem Fraktionsvositzender Rülke und dem Ehrenvorsitzenden der Landespartei, Prof. Dr. Jürgen Morlok, über die Tradition des Südwest-Liberalismus ins Gespräch kam.

 

Der Ehrenvorsitzende blickt zurück – und voraus

Prof. Morlok (links) zur Flüchtlingskrise: "'Wir schaffen das!' reicht nicht!"„Grundsatztreue in liberaler Pragmatik“ und gleichzeitig, mit Dahrendorff, das „Wagnis des Wandels“ anzunehmen – das empfahl Prof. Morlok seiner Partei. Sie müsse Politik betreiben für „Staatsbürger statt Staatskunden“, indem jeder Einzelne Verantwortung übernehme für sich, seine Familie und die Res Publica. In Zeiten massenhafter Zuwanderung gelte zudem: „‚Ja, wir schaffen das!‘ reicht nicht“ – die Chancen von Zuwanderung für Arbeitsmarkt und kulturelle Erweiterung müssten ebenfalls in den Fokus der Betrachtung rücken.

Michael Theurer (Mitte)


Theurer: „Die freiheitliche DNA gehört zum Land“

Gefragt nach der wichtigsten liberalen Traditionslinie, in der er sich als Landesvorvorsitzender seiner Partei sehe, nannte Theurer „die Verbindung von Freiheit und Verantwortung, in der besonderen Ausprägung des südwestdeutschen Liberalismus ganz klar in der politischen Mitte: Weltoffen, proeuropäisch, bürgernah und marktwirtschaftlich – das ist die Übertragung der Tradition in die Moderne.“

Theurer wies daraufhin, dass dies ja der 70. Jahrestag der Wiedergründung der Liberalen im Land nach dem zweiten Weltkrieg sei – die Traditionslinie insgesamt aber noch viel länger sei: Beim Landesparteitag am 5. und 6. Januar 2016 könne man bereits auf 150 Jahre Dreikönigstreffen zurückblicken. „Zu Baden-Württemberg gehören die Freien Demokraten – das ist einfach eins. Die freiheitliche DNA gehört zum Land.“

 

Rülke: Fraktionsvorsitz ist „historische Ehre“

Eine persönliche Note schlug Hans-Ulrich Rülke an, als er davon sprach, welche Ehre es für ihn sei, in dieser Fraktion zu stehen vorneweg zu marschieren – auch wenn dies in der augenblicklich nicht einfachen Lage der Partei manchmal mit Belastungen verbunden sei. Doch er sei überzeugt, der organisierte Liberalismus werde am Ende Erfolg haben, für die Menschen in diesem Land.

 

Serwani: „Vernunft und Anpacken“

In einem Schlusswort erinnerte der aktuelle Nachfolger Wolfgang Haußmanns im Amt des Kreisvorsitzenden der FDP/DVP Stuttgart, Armin Serwani, an die liberalen und demokratischen Traditionen, in denen sich die Partei sieht.  „Angesichts der Probleme der damaligen Zeit zeigten die Männer und Frauen der DVP einen politischen Weg auf, der durch Vernunft und Anpacken bestimmt ist. Das prägt unsere Partei noch heute, ebenso die Verankerung in der politischen Mitte“, so der Kreisvorsitzende.

 

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Autor:Georg Mannsperger