25 Jahre Deutsche Einheit – Festveranstaltung in Heilbronn

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20151003_111318-3Eine wahrhaft festliche Örtlichkeit für die Feierstunde der Reinhold-Maier-Stiftung zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit bot das prachtvolle Rokoko-Bauwerk des Heilbronner Schießhauses. Das Schützenwesen geht hier bis ins 16. Jahrhundert zurück, das Gebäude diente aber schon unterschiedlichsten Zwecken, so 1848/49 auch als Ort für revolutionäre Volksversammlungen.

Besser hätte der Veranstaltungsort also nicht gewählt werden können für ein Ereignis, bei dem aus liberaler Sicht Bilanz gezogen wurde über 25 Jahre Deutsche Einheit.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Michael Link, Direktor des OSZE-Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte. Er mahnte, den Unrechtsstaat DDR im Rückblick nicht als Sozialstaat mit kostenloser Kita zu verklären. Trotz der gegenwärtigen Verwerfungen durch Krisen, Kriege und Konflikte sei der Jahrestag des endgültigen Abschieds von dieser Diktatur ein Anlass zum Feiern. Er erinnerte daran, dass gerade die FDP durch Vertreter wie Hans-Dietrich Genscher, Wolfgang Mischnick oder Gerhart Baum über Jahrzehnte geprägt war von Liberalen, die aus dem Gebiet der DDR stammten und das Ziel der Wiedervereinigung stets auf der politischen Agenda gehalten hätten.

Prof. Dr. Ulrich Goll, stv. Ministerpräsident von Baden-Württemberg a. D. und Vorsitzender der Reinhold-Maier-Stiftung, ordnete in seinem Beitrag die Begriffe „Einigkeit“ und „Recht“ und „Freiheit“ in ihren historischen und ideengeschichtlichen Kontext ein.
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Mit Bezug auf ein Zitat der DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, „wir wollten Recht und bekamen den Rechtsstaat“, äußerte der ehemalige Justizminister zwar Verständnis dafür, dass materielles Recht unmittelbar als besonders unverletzlich empfunden würde, warnte aber davor, zwischen Recht und Rechtsstaat zu trennen. Das Grundgesetz müsse gerade in Zeiten massenhafter Zuwanderung von allen in Deutschland lebenden Bevölkerungsteilen ernst genommen werden.

Die Förderung von freiheitlichem Denken, wie es sich im Grundgesetz manifestiert, sei eine Grundaufgabe der Reinhold-Maier-Stiftung, so Goll weiter, denn Freiheit sei das höchste Gut überhaupt. „Wie steht es mit der Freiheit, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung?“ In Zeiten, in denen die SED-Nachfolgepartei in den ostdeutschen Ländern als Volkspartei eine bundesrepublikanische Realität sei, müsse diese Frage heute neu gestellt werden.

20151003_115132-2Damit leitete Goll über zu Linda Teuteberg, der stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes Brandenburg, die in ihrem Redebeitrag die Befindlichkeiten und Erfahrungswerte der sogenannten „Dritten Generation Ost“ beschrieb – einer Generation, der sie selbst angehört. Im Landtag bekäme sie oft zu hören, zu DDR-Zeiten sei ihre Generation ja noch viel zu jung gewesen, um diesen Staat wirklich beurteilen zu können. Doch auch die Generation derjenigen, die zwischen 1975 und 1985 in der DDR geboren seien, hätten das damalige Unrecht in Form von Denk- und Sprechverboten schon in Kindergarten und Schule miterlebt.

Da die Dritte Generation Ost in Ausbildung, Studium und Berufsleben dann schon voll in der Bundesrepublik sozialisiert wurde, brächte gerade diese Generation Erfahrungswerte mit, die sich sowohl von denen im Westen als auch von denen ihrer Eltern- und Großelterngeneration im Osten unterschieden und die für das wiedervereinigte Deutschland eine besondere Bedeutung hätten.

Abschließend bedankte sich der Vorsitzende des FDP-Stadtverbands Heilbronn, Nico Weinmann, bei der Reinhold-Maier-Stiftung für die Ausrichtung der Veranstaltung in seiner Heimatstadt und überreichte Frau Teuteberg als Gastgeschenk einen guten Tropfen Lemberger.

 

 

Sehen Sie hier ein kurzes Video mit Impressionen von der Veranstaltung:

 

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Autor:Georg Mannsperger