Mehr Lehrer für Flüchtlinge!

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Nicht immer müssen zur Integration von Flüchtlingen neue Gesetze und Strukturen geschaffen werden. Vielmehr müssen vielfach nur bestehende Instrumente genutzt und gestärkt werden. So würde das baden-württembergische Schulgesetz mit dem sogenannten Vorqualifizierungsjahr schon heute einen guten Ansatz bieten, um jugendliche Flüchtlinge, die ohne Schulabschluss nach Deutschland kommen, an den Arbeitsmarkt heranzuführen – wenn er denn personalpolitisch gestützt würde. Dr. Timm Kern, Mitglied des Verwaltungsrats der Reinhold-Maier-Stiftung, fordert diesbezüglich eine deutliche Kurskorrektur.

kern_300„Im Interesse unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft darf sich Baden-Württemberg bei der schulischen Integration von Flüchtlingen keinen Mangelbetrieb leisten“, so Kern. „Die beruflichen Schulen sind der entscheidende Transmissionsriemen für eine gelingende Integration junger Flüchtlinge in Ausbildung und Beruf.“ Deshalb müssten die beruflichen Schulen vor allem hinsichtlich der Personalausstattung gestärkt werden, so dass sie neben ihren angestammten auch die hinzugekommenen Aufgaben weiterhin erfolgreich meistern können.

Das Vorqualifizierungsjahr bietet Jugendlichen Unterstützung bei der beruflichen Orientierung und schafft durch Unterricht in stark berufs- und lebensweltbezogenen Arbeitsfeldern auch eine Option auf einen Hauptschulabschluss. In Baden-Württemberg stehen 4.500 jugendliche Flüchtlinge und junge Menschen aus anderen EU-Staaten dafür auf der Warteliste. Der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg sieht mit der derzeitigen Personaldecke auch wenig Chancen, die Flüchtlingskinder rasch in das Vorqualifizierungsjahr aufnehmen zu können.

700 frei werdende Lehrerstellen an berufsbildenden Schulen sollen in Baden-Württemberg nicht nachbesetzt werden. Dadurch stoßen die Berufsschulen an personelle Grenzen. Anstatt Stellen zu streichen, würden nach Angaben des Verbandes insgesamt 800 neue Lehrerstellen benötigt, davon 600 für die Deutschförderung und die Versorgung weiterer Flüchtlingsklassen sowie rund 200, um den bereits im Stundenplan vorgesehenen Unterrichtsausfall zu vermindern.

 

 

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Autor:Georg Mannsperger