Qualitative Freiheit – ein neuer Begriff steht zur politischen Diskussion

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Zu einem politisch-philosophischen Abend lud die Reinhold-Maier-Stiftung Baden-Württemberg kürzlich nach Stuttgart . Unter dem Titel „Qualitative Freiheit“ war es gelungen, den Autor des gleichnamigen Buches und Leiter des Tübinger Weltethos-Instituts, Prof. Dr. Claus Dierksmeier, einzuladen. Ein spannender Abend war damit garantiert.

 

Dr. Jan Havlik, Leiter des Liberalen Forums Region Stuttgart der Reinhold-Maier-Stiftung, bei seiner Einführung

Kaum ein anderer Begriff wird so häufig genutzt wie der Begriff der Freiheit.

Prof. Dierksmeier verfügt über das Wissen dieser weltweiten Überlegungen und Forderungen aus seiner akademischen Laufbahn, die den 45jährigen über Europa, Südamerika und den nordamerikanischen Kontinent geführt hatte.

 

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Prof. Dr. Claus Dierksmeier bei seinem Vortrag

Er stellte fest, dass der Freiheitsbegriff weltweit höchst unterschiedlich genutzt werde. Besonders die Auffassung, wonach Freiheit und Verantwortung als unterschiedliche Begriffe gegeneinander verrechnet würden, sei zu beobachten. „Diese Begriffe gehen aber nicht nur Hand in Hand, sie sind sogar ein und dasselbe“, so der Philosophieprofessor.

Das Missverständnis sieht Dierksmeier darin, dass in den bisherigen Auffassungen das Streben nach Freiheit in Spiel- oder Sozialvertragstheorien gewissermaßen Verhandlungsmasse sei, bei denen die Individuen möglichst viel davon zu erlangen trachten. Diese Theorie berücksichtige allerdings wichtige gesellschaftliche Gruppen nicht, beispielsweise künftige Generationen oder Menschen, die aufgrund räumlicher Distanz oder Schwäche keine ebenbürtigen Verhandlungspartner seien.

Prof. Dr. Claus Dierksmeier erläutert den Begriff der „Qualitativen Freiheit“

Die Frage sei also, ob der rein quantitative Begriff der Freiheit zielführend sei. „Denken macht den Unterschied“, so Dierksmeier und stellte einen neuen Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.

Die Frage der Qualität sei entscheidend. „Der Gedanke ist also nicht: Je mehr Freiheit, desto besser, sondern je besser die Freiheit, desto mehr!“, stellte Dierksmeier fest. Selbstverständlich gelten unterschiedlichen Vorstellungen, wie eine „bessere Freiheit“ zu verstehen sei. Eines sei bei diesem Ansatz jedoch allen gemein: Die Qualität der eigenen Freiheit hängt von der Freiheit anderer ab. Nur wenn andere Menschen Möglichkeiten und Chancen hätten, sei die eigene Freiheit auch etwas wert.

 

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Das interessierte Publikum in der vollbesetzten Alten Kanzlei

 

Diesen theoretischen Überbau nutzten die zahlreichen Anwesenden, um dies an Beispielen wie TTIP, der Digitalen Selbstbestimmung oder der Gerechtigkeitsdebatte zu diskutieren. Es zeigte sich dabei immer wieder, dass das Thema die Menschen bewegt und ein umfassender Freiheitsbegriff im Kontext einer globalen Welt gesehen werden muss.

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Autor:Melanie Kögler