Donald oder Hillary? Über die Auswirkungen der US-Wahl auf Europa

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Kurz vor den US-Wahlen kam Claus Gramckow, der Leiter des Transatlantischen Dialogprogramms der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, für einige Veranstaltungen zu diesem aktuellen Thema nach Deutschland. Nach Diskussionsrunden bei den liberalen Stiftungen in Berlin, Dresden und Frankfurt, schloss Gramckow seine Deutschland-Reise mit einem Lunch-Talk der Friedrich-Naumann-Stiftung in Stuttgart und eine Abendveranstaltung der Reinhold-Maier-Stiftung in Friedrichshafen ab.

 

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Claus Gramckow beim Lunch-Talk in Stuttgart mit Rainer Pörtner, dem Leiter der Politikredaktion der Stuttgarter Zeitung

 

Die Besonderheiten des amerikanischen Wahlsystems standen nicht nur im Zentrum von Gramckows Vorträgen, sondern machen auch den Ausgang der Wahl spannend. Letztlich entscheiden die sogenannten „Swing States“ über den Ausgang der Wahl. Während traditionell etwa 38-40 Bundesstaaten fest in demokratischer oder republikanischer Hand sind, kommt den zehn bis zwölf Swing States, in denen es keine klare bzw. eine wechselnde Tendenz gibt, eine besondere Bedeutung zu.

 

 

 

 

Der diesjährige Präsidentschaftswahlkampf zeichnete sich, so Gramckow, unter anderem dadurch aus, dass dieser fast themenlos verlief. Während die Amerikaner sich üblicherweise für den Kandidaten entscheiden, der in ihren Augen die brauchbarste Zukunftsvision hat und Vergangenes weniger berücksichtigen, sei in diesem Jahr der Sonderfall eingetreten, dass die Frage, welcher Kandidat das geringere Übel darstelle, zentral sei.

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Claus Gramckow bei seinem Vortrag in Friedrichshafen. Im Hintergrund Alfred Eger, Leiter des Liberalen Forums Friedrichshafen/Bodensee-Oberschwaben

 

Im Publikum war eine große Sorge vor einem potentiellen Ausgang zu Gunsten Donald Trumps zu spüren. Claus Gramckow vertrat zwar den Standpunkt, dass vermutlich Hillary Clinton gewinnen werde – auch weil viele Amerikaner bereits vorab gewählt haben und daher aktuelle negative Entwicklungen wie die erneuten Ermittlungen des FBI in der E-Mail-Affäre nur bedingt ins Gewicht fallen. Zudem verwies er auf entscheidende Fehler, die Trump im Wahlkampf gemacht habe, wie die Beleidigungen der Familie eines gefallenen US-Soldaten.

 

Schon aufgrund der hohen Resonanz an Teilnehmern wurde deutlich, dass die Wahl des neuen Präsidenten am 08. November auch in Deutschland ein großes Thema ist. Gramckow erklärte dieses Interesse durch das für beide Länder wichtige und enge Verhältnis. Unabhängig vom Wahlausgang prophezeite Gramckow, dass Deutschland auch weiterhin ein wichtiger Partner für die USA bleiben werde. Er gab die Prognose ab, dass sich unter Clinton wenig ändern werde, während bei Trump die Frage offen bleibe, ob er alles, was er im Wahlkampf angesprochen hat – wie eine Annäherung an Putin oder eine Auflösung der NATO – auch beibehält, so dass hier die Auswirkungen für die transatlantische Partnerschaft zum jetzigen Zeitpunkt spekulativ wären.

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Autor:Melanie Kögler