Der Präsident der Hoffnungslosen – Trumps Amerika

Kategorien: Berichte

Dr. Josef Braml bei seinem Vortrag

Dr. Josef Braml bei seinem Vortrag

 

Für viele Menschen ist der neue US-Präsident Donald Trump ein Rätsel. Ist er ein wirklicher Feind der Demokratie und des Rechtsstaats oder schlicht eine Bewährungsprobe, bei der sich die Verfassung der Vereinigten Staaten beweisen kann und muss? Viele wichtige Informationen und Erklärungen wurden in einer Vortragsveranstaltung der Reinhold-Maier-Stiftung in Kooperation mit dem Deutsch-Amerikanischen Zentrum Stuttgart (DAZ) gegeben. Der renommierte Analyst Dr. Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Experte für US-Politik und Herausgeber wichtiger Publikationen zu diesem Thema, erklärte Erfolg und Strategie Trumps und seiner Unterstützer.

 

Das Publikum lauschte interessiert Dr. Bramls Ausführungen

Das Publikum lauschte interessiert Dr. Bramls Ausführungen

 

„Donald Trump hat sich den Menschen angepasst“ – stellte er gleich zu Beginn seines Vortrags fest. Dem US-Präsidenten, der sich fernab der Parteipolitik – auch von der „Republican Party“ – aufgestellt habe, sei es gelungen, bislang politisch ignorierte Wähler im Bereich der „wirtschaftlichen Verlierer“ anzusprechen und zu mobilisieren. Diese Strategie sei auch deshalb sehr erfolgreich weil sich die USA als eigentliches „Land des freien Unternehmertums“ in eine Richtung entwickelt haben, bei der einflussreiche Wirtschaftsbosse (die sogenannten „Fat cats“) die Politik bestimmen. Angesichts der offensichtlichen Schwierigkeiten seiner Konkurrentin Hillary Clinton, sich von diesem Eindruck ausreichend zu distanzieren, konnte sich Trump so zum „letzten Hoffnungsträger“ stilisieren und hatte damit Erfolg.

 

„Trump konnte diejenigen gewinnen, die sich vernachlässigt fühlten, gewissermaßen als ihre letzte Chance“, so Braml und zeichnete ein sozioökonomisches Bild der USA, in dem wichtige ordoliberale Grundsätze, wie beispielsweise das Haftungsprinzip, immer weiter zurückgedrängt würden. Beispielhaft dafür nannte er die Finanzkrise, in der die Gewinner der bisherigen Bankenstruktur nicht für die Folgen der spekulativen Politik eintreten mussten. Das Ergebnis sei Wut gerade bei vielen weißen Wählern, die ihre eigene Existenz nicht nur im Bereich der traditionellen Industriebranchen in Gefahr sähen. Diese Wahlaussichten seien von Analysten in Trumps Team professionell begleitet worden.

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Es herrschte ein großer Andrang – fast 150 Gäste sind gekommen, einige weitere konnten aus Platzgründen nicht teilnehmen.

 

Braml warnte eindringlich davor, den Präsidenten oder sein Team intellektuell zu unterschätzen. Hinter Trump stünden nicht nur Fundamentalisten und inhaltliche Fanatiker, sondern zum Teil sehr kluge Köpfe. Die nun auftretenden Kritiker des neuen Präsidenten müssten ebenfalls genau betrachtet werden, denn auch darunter befänden sich nicht nur seriöse Politikstrategen mit einwandfreiem Leumund.

 

 

 

 

 

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Was heißt dies nun für die zukünftige Politik des Landes? Auch auf dieses unsichere Terrain wagte sich der Referent, dessen zuletzt erschienenes Buch den Titel „Trumps Amerika – Auf Kosten der Freiheit“ trägt, vor und wagte eine Prognose der Wirtschafts- und Außenpolitik der neuen US-Administration. Braml rechnet mit einem gewaltigen Investitionsprogramm in Höhe von einer Billion US-Dollar in den kommenden Jahren, finanziert durch neue Schulden und unter Verhinderung von Steuererhöhungen. Außenpolitisch sei die Volksrepublik China der Hauptgegner der US-Politik, die sich nicht zuletzt militärisch stärker aufstelle.

 

Den Europäern empfahl Braml abschließend Zusammenhalt und Prinzipientreue, um in der Welt ein ernstzunehmender Faktor zu bleiben.

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Autor:Melanie Kögler