Ein streitbarer Demokrat – Kurt Sütterlin erhält die Reinhold-Maier-Nadel

Kategorien: Berichte

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Die Rosenau war gut gefüllt

Kurt Sütterlins große Beliebtheit wurde schon dadurch deutlich, dass es sich trotz schwüler Hitze über 80 Gäste nicht nehmen ließen, der Auszeichnung des ehemaligen Tübinger Stadtrats am 30. August mit der Reinhold-Maier-Nadel in der Rosenau Tübingen beizuwohnen.

Christopher Gohl, Mitglied des Verwaltungsrats der Reinhold-Maier-Stiftung, hob in seiner Begrüßung hervor, was sich in vielen Ausführungen an dem Abend wiederholen sollte: Kurt Sütterlin sei ein streitbarer Demokrat, so Gohl. Mit ihm könne man diskutieren und auch streiten, er bleibe immer sachlich und übertrage es nie auf eine persönliche Ebene.

 

 

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Kurt Sütterlin mit seiner Frau Ulrike

In den Grußworten spiegelte sich Sütterlins vielseitiges Engagement wider: so berichtete die Kreisvorsitzende der Freien Demokraten Tübinger, Dr. Dinah Murad, wie sie und andere Kommunalpolitiker viel von Sütterlin lernen konnten und stets von ihm unterstützt wurden. Murad betonte, dass der Geehrte weiterhin nicht nur Mitglied der Partei sei, sondern sich noch immer agil und mitdenkend einmische und in Sitzungen durch seine scharfsinnigen Wortbeiträge für vergnügliche Abende sorge. Sütterlins Nachfolger als Landesvorsitzender der Liberalen Senioren Initiative (LSI), Dr. Wolfgang Allehoff, verwies auf dessen bleibende Verdienste um die LSI und betonte, wie stolz er sei, das Amt von ihm übernommen zu haben. Auch für Dietmar Schöning, langjähriger Stadtratskollege Sütterlins, wie auch für Prof. Dr. Bernd Domres, Präsident des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin und guter Freund Sütterlins war klar: aufgrund der zahlreichen Verdienste und sein Engagement um den Liberalismus sei die Auszeichnung eine Ehrung, die zu Sütterlin nur zu gut passe. Irene Schuster, Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Tübingen, ging auf den stets gewinnbringenden Austausch mit Sütterlin auch über Generationengrenzen hinweg ein.

 

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Jochen Haußmann hielt die Laudatio auf Kurt Sütterlin

In seiner Laudatio würdigte der Vorsitzende der Reinhold-Maier-Stiftung, Jochen Haußmann MdL, Sütterlin als wahren Graswurzeldemokraten im Sinne Reinhold Maiers und hob dessen jahrzehntelanges, verschiedene Felder umfassendes politische Engagement besonders hervor. Der Geehrte habe seine „Überzeugungen, Erfahrungen und Kenntnisse […] nicht nur in verschiedenen Gremien der FDP und der Liberalen Senioren eingebracht, sondern auch im Gemeinderat der Universitätsstadt Tübingen. Und genau diese Form des vernetzten Engagements meinte Reinhold Maier, wenn er von Graswurzeldemokratie sprach“, so Haußmann. Für viele sei Sütterlin ein unentbehrlicher Weggefährte gewesen – und sei dies immer noch. Er habe „einen wesentlichen Anteil daran, dass die Arbeit der liberalen Senioren nicht nur Altenpolitik ist, sondern eine ganzheitliche Sichtweise liberalen Denkens erfahrener und überzeugter Freier Demokraten“. Während dessen gesamter politischer Laufbahn sei stets deutlich zu sehen gewesen, „dass das politische und ehrenamtliche Engagement von Kurt Sütterlin immer direkt am Menschen ansetzt“, so Haußmann in seiner Laudatio mit Bezug auf einen der wichtigsten Aspekte der Graswurzeldemokratie Maiers.

 

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v.l.n.r.: Jochen Merkle (Geschäftsführer der Reinhold-Maier-Stiftung), Ulrike-Elstner-Sütterlin, Kurt Sütterlin, Jochen Haußmann, Christopher Gohl (Mitglied des Verwaltungsrats der Reinhold-Maier-Stiftung)

Sütterlin selbst ließ in seinen Dankesworten Stationen seiner politischer Karriere aus seiner Sicht vor dem Publikum passieren – wobei an vielen Stellen sein hintersinniger Humor deutlich wurde. Er sei stolz, dass viele der Redner an diesem Abend seine Streitbarkeit hervorgehoben hätten. Freundschaft und Gespräch nannte er als Lebenselixir –letzteres als wirklichen Austausch, nicht nur oberflächlich. Und schon Schiller habe gesagt: „Siehe, wir hassen, wir streiten, es trennet uns Neigung und Meinung, aber es bleichet indes dir sich die Locke wie mir.“ Es sei wichtig, notwendige Diskussionen zu führen, sich nicht auf eigenen Verdiensten auszuruhen oder in alten Erfahrungen hängen zu bleiben, ständig Neues zu lernen und hellwach zu bleiben – Dinge, die Sütterlin in seinem Engagement immer auch selbst berücksichtigt hatte.

 

 

 

 

Zur Person:

Kurt Sütterlin, geb. 1936 in Waldshut, absolvierte eine Ausbildung zum Volksschullehrer und studierte ab 1962 Pädagogik, Philosophie und Geschichte in Tübingen, wo er 1976 auch promovierte. Anschließend arbeitete er als Lehrer an der Versuchsgrundschule Wanne in Tübingen. Von 1982 bis 2001 war er Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamts Reutlingen. Seit 1969 ist Sütterlin Mitglied der FDP. 1989 wurde er erstmals in den Tübinger Gemeinderat gewählt, aus dem er 2014 nach 25-jähriger Mitgliedschaft ausschied. Zudem kandidierte er 1987 und 1994 für den Deutschen Bundestag. Er war zehn Jahre lang Vorsitzender der Freien Demokraten Neckar-Alb (bis 2000) und in dieser Funktion auch Beisitzer im Landesvorstand der FDP. 1990 war er einer der Mitgründer der Liberalen Senioren Initiative in Stuttgart. Von 2001 bis 2015 war er deren Vorsitzender in Baden-Württemberg. In dieser Funktion war er auch kooptiertes Mitglied im Landesvorstand der FDP. Von 2001 bis 2014 war Sütterlin zudem stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Liberalen Senioren. Neben seinem Herzensthema Bildungspolitik hat er die Positionen der Freien Demokraten zur Seniorenpolitik sowie die Programmatik einer liberalen Familien- und Generationenpolitik über viele Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt.

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Autor:Melanie Kögler

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