„Ein echter Liberaler, mit dem man vortrefflich streiten kann“ – Hagen Kluck erhält die Reinhold-Maier-Nadel

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Dem Reutlinger Gemeinderat und ehemaligen Landtagsabgeordneten Hagen Kluck wurde am 27. April 2018 in der Julius-Kemmler-Halle in Reutlingen-Betzingen die Reinhold-Maier-Nadel verliehen.

Mit der Reinhold-Maier-Nadel zeichnet die Reinhold-Maier-Stiftung Personen aus, die sich als Liberale insbesondere auf kommunaler Ebene engagiert haben und sich im Sinne Reinhold Maiers Verdienste um die „Graswurzeldemokratie“ erworben haben.

 

Alle Grußredner waren sich einig: dies erfüllt Hagen Kluck in vollster Weise.

 

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Freien Demokraten und Vorsitzender des Bezirks Neckar-Alb, Pascal Kober MdB, legte in seiner Begrüßung dar, was Reinhold Maier eins ausgemacht habe – neben seiner politischen Standfestigkeit auch in schwierigen Zeiten vor allem eine Mischung aus Bodenhaftung und weiter Perspektive. Für Maier war klar: eine gesunde und funktionierende Demokratie müsse ganz unten an den Wurzeln entstehen, um zu wirken.

Nichts könne auch Hagen Klucks bisherigen politische Laufbahn besser beschreiben, so Kober:„Wer ihn einmal kennengelernt hat, wird ihn nie vergessen“. Er lasse eine elitäre Distanz zwischen Politik und Bürgern nicht entstehen und spreche eine unnachahmliche Sprache, die nicht nur für Eliten verständlich sei. Hagen Kluck ist „einer, der dem Volk aufs Maul schaut, ohne ihm nach dem Mund zu reden“.

 

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Reutlingen, Barbara Bosch, ging in ihrem Grußwort vor allem auf Hagen Klucks Engagement im Gemeinderat ein, dem er seit 1989 als Stadtrat angehört. Der Geehrte sei ein liberaler Freigeist, der sich stets zu seiner Grundhaltung bekenne und der mit Überzeugung dafür kämpfe, Reutlingen voranzubringen. Legendär seien seine Zwischenrufe im Gemeinderat, so Bosch. Kluck sei gestählt durch jahrelange politische Erfahrung und wohltuend im politischen Geschäft. Sie freue sich und sei stolz, dass er mit der Reinhold-Maier-Nadel ausgezeichnet werde. Hagen Kluck habe „genau das richtige Survival-Paket um viele Jahre in der Politik zu überstehen“, so die Oberbürgermeisterin.

Auch Klucks langjähriger Weggefährte Prof. Dr. Willi Weiblen ließ es sich nicht nehmen, ein Grußwort zu halten und berichtete aus der langen Zeit der gemeinsamen Kandidatur für den Gemeinde- und Kreisrat. Er bezeichnete Kluck als einen politischen Kopf mit großer Erfahrung, mit dem es keine langatmigen Fraktionssitzungen brauche. Kluck bleibe auch weiterhin unersetzlich  – er stelle ein ausgleichendes Element und einen Stabilisator dar und liebe den politischen Diskurs, so Weiblen.

 

 

Der Bezirksbürgermeister von Betzingen, Thomas Keck, befand sich als vierter Redner in der schwierigen Lage, dass „die Wiese nicht nur gemäht, sondern regelrecht umgegraben“ sei. Er betonte, dass so wie er Hagen Kluck kenne, eine Seelenverwandtschaft mit Reinhold Maier zu bestehen scheine. Wenn einer den Anspruch der Graswurzeldemokratie verfolge, so sei dies Kluck.

 

 

In seiner Laudatio würdigte der Landtagsabgeordnete Andreas Glück, zugleich Mitglied des Verwaltungsrates der Reinhold-Maier-Stiftung, Kluck als „echten Liberalen“, mit dem „man auch vortrefflich streiten kann“. Gerade dies sei in der heutigen Zeit wichtiger denn je: „Denn es ist doch genau die mangelnde Streitkultur, die in unserer Demokratie allzu oft fehlt. Wenn Politik irgendwann fast nur noch aus Hinterzimmerkompromissen heraus gestaltet wird, dann fühlen sich die Menschen – auch politikinteressierte Menschen – vor den Kopf gestoßen.“ Aus diesem Grund sei der gute Streit, den man mit Hagen Kluck führen könne, genau das, was es in der Politik brauche. „Liberal sein bedeutet eben auch, dass man durchaus hartnäckig seine Position vertreten darf, dem anderen seine Position aber eben auch eingesteht“, so Glück. Kluck sei jemand, „bei dem die politische Grundhaltung von der Person nicht zu trennen“ und der ein „einfach ein ganzer Liberaler“ sei.

 

Hagen Kluck stellte gleich zu Beginn seiner Dankesworte klar, dass die Ehrung keineswegs Ende und krönender Abschluss seiner kommunalpolitischen Tätigkeit sei. Er erinnerte sich, wie er vor vielen Jahren Reutlinger geworden sei und betonte, dass er die freiheitliche Tradition der Stadt schätze.

 

Auch und vor allem heute müssen wir uns immer wieder fragen, ob Freiheit eine Zukunft hat, so Kluck. Die Freiheit werde einem nicht geschenkt, man müsse dafür kämpfen und sich einsetzen. Die Freiheit des Einzelnen habe ihre Grenzen da, wo sie die Freiheit der anderen einschränke. Wichtig sei hierbei Toleranz, um die er sich auch selbst stets bemühe. In seinem kommunalpolitischen Wirken verurteile oder ignoriere er andere Positionen nicht, sondern er setze sich kritisch damit auseinander.

 

Diese Art Hagen Klucks, politische Diskurse zu führen, zeichnen seine Politik und ihn als politische Person in besonderer Weise aus, wie auch in den Grußworten und der Laudatio deutlich wurde.

 

Musikalisch umrandet wurde der Abend durch den Männerchor des Liederkranzes Walddorf e.V. unter der Leitung von Rosi Hertl

 

 

Zur Person:

Hagen Kluck wurde 1943 in Kolmar (Posen) geborgen und wuchs in Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein). Nach einer journalistischen Ausbildung als Redaktionsvolontär war er Redakteur in Eutin. 1966 wechselte er zum Reutlinger General-Anzeiger. Weitere Stationen waren die Stuttgarter Nachrichten, der Münsinger Alb-Bote und das Schwäbische Tagblatt in Tübingen. Hagen Kluck trat 1961 in die FDP ein. Er war u.a. im Orts- und Kreisvorstand der FDP Reutlingen, Bezirksvorsitzender Neckar-Alb, im Landesvorstand der FDP Baden- Württemberg sowie Mitglied des Verwaltungsrates der Reinhold-Maier- Stiftung. Zwischen 1989 und 2014 wurde er sechs Mal in den Reutlinger Gemeinderat gewählt. Derzeit ist Kluck dort Vorsitzender der FDP-Fraktion. Seit 2004 ist er Ortschaftsrat in Betzingen und seit 2014 Kreisrat des Landkreises Reutlingen. 1996 und 2006 wurde er in den Landtag gewählt, wo er zuletzt stv. Fraktionsvorsitzender und Parlamentarischer Geschäftsführer war. Hagen Kluck war Mitglied des Medienrates und ist seit 2017 stv. Vorstandsmitglied der Landesanstalt für Kommunikation. Bürgerschaftlich engagiert er sich als stv. Vorsitzender des Fördervereins Ortskern Betzingen, zudem ist er Initiator des Altstadtfreundeskreises Reutlingen.

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Autor:Melanie Kögler