„Die Demokratie braucht starke Gruppen, die sich für sie einsetzen“ – Ulrike Rückert in Auenwald mit der Reinhold-Maier-Nadel ausgezeichnet

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Ulrike Rückert mit unserem Vorsitzenden Jochen Haußmann MdL (links im Bild) und Bürgermeister Karl Ostfalk

 

In der Ratsscheuer beim Rathaus Unterbrüden wurde Ulrike Rückert, die lange als Gemeinderätin in Auenwald aktiv und seit 2004 stellvertretende Bürgermeisterin des Ortes war, mit der Reinhold-Maier-Nadel ausgezeichnet.

Mit der Reinhold-Maier-Nadel zeichnet die Reinhold-Maier-Stiftung Personen aus, die sich als Liberale insbesondere auf kommunaler Ebene engagiert haben und sich im Sinne Reinhold Maiers Verdienste um die “Graswurzeldemokratie” erworben haben.

 

 

 

Bürgermeister Karl Ostfalk bezeichnete die Preisträgerin als „eine feste Konstante in vielen Bereichen unserer Gemeinde, […] die aus dem kommunalen Alltag in Auenwald einfach nicht wegzudenken ist“ und würdigte sie ihr „außergewöhnliches vielfältiges ehrenamtliches Wirken“.

Bürgermeister Karl Ostfalk

Er erinnerte daran, wie Rückert als Gemeinderätin und Fraktionsvorsitzende in den vergangenen 20 Jahren aktiv und wesentlich an der Weiterentwicklung der Gemeinde Auenwald mitgewirkt habe, beispielsweise beim Ausbau des Betreuungsangebots, der kommunalen Jugendarbeit oder dem Bau der neuen Mehrzweckhalle mit Mensa in Hohnweiler. Besonders hob Ostfalk hervor, dass er dabei stets auf Ulrike Rückerts „Weitsicht, ihre Unterstützung und auch auf ihre konstruktive Kritik“ zählen konnte. Man habe „gemeinsam für die Zukunftssicherung unserer Gemeinde und ihrer Einwohner wesentliche Weichen gestellt oder langfristig optimale Betreuungs-, Schul-, Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Wohle unserer Mitbürger geschaffen“, fasste der Bürgermeister zusammen. Er betonte zudem Rückerts Engagement für die deutsch-französische Partnerschaft hervor. Rückert sei es stets ein großes Anliegen gewesen, den Kindern Frankreich und die Französische Sprache näher zu bringen. Bereits 1991 sei so „ein freiwilliger Französischunterricht auf Kosten der Gemeinde an den beiden Auenwalder Grundschulen in Lippoldsweiler und Unterbrüden/Oberbrüden ins Leben gerufen“ worden, an dem bis heute ein Großteil der Grundschüler der Klassen 3 und 4 teilnimmt. Auch ein Schüleraustausch habe dazu beigetragen, Sprache und Kultur des jeweiligen Nachbarlands kennenzulernen. Ulrike Rückert habe aber „nicht nur Ideen und Vorschläge parat“, sondern sie sei ohne Zweifel eine „Schafferin“, die „auch selbst die Ärmel zurückkrempelt und mit anpackt“. So sei sie „ein echtes Vorbild für jeden, der in der Gemeinde lebt und in unserer Gemeinde ehrenamtlich tätig ist“, resümierte Ostfalk.

 

Gudrun Senta Wilhelm, Vorsitzende der Freien Demokraten Backnanger Bucht, wollte gerade angesichts der Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts vor hundert Jahren den Blick auf spezifisch weibliches politisches Engagement richten. Wäre das Wahlrecht nicht eingeführt worden, hätte Ulrike Rückert „weder Gemeinderätin noch Zweite Bürgermeisterin werden können. Sie wäre einfach nicht zu wählen gewesen. Und ihre Gemeinde hätte nicht von einer engagierten und bei Bedarf auch streitbaren Frau profitieren können“, betonte Wilhelm. Auf politischer Ebene sind Frauen immer noch in der Unterzahl und haben es bei aussichtsreichen Listenplätzen gegenüber Männern oft schwer. „Auf der kommunalpolitischen Ebene, wo Persönlichkeit und Engagement den Ausschlag geben, sind die Rahmenbedingungen am besten“. Hier können sich Frauen leichter durchsetzen und stellen eine wachsende Größe dar – sofern sie überhaupt kandidieren.

 

Jochen Haußmann MdL steckt Ulrike Rückert die Reinhold-Maier-Nadel an

In seiner Laudatio zeichnete der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Reinhold-Maier-Stiftung, Jochen Haußmann MdL, den privaten wie politischen Lebensweg sowie das vielfältige Engagement Ulrike Rückerts nach. Gerade im Südwesten sei Reinhold Maiers Idee der Graswurzeldemokratie ein „fester Bestandteil der politischen Kultur. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich in der Gemeinde, im Sport, im Jugend- und Kulturbereich, in den Kirchen, Parteien und Verbänden zu engagieren, ist in Baden-Württemberg erfreulicherweise sehr groß. Ulrike Rückert gehört nun zu den Menschen, die sich aufgrund ihrer Schaffenskraft und ihres Durchhaltevermögens nicht nur in einem der soeben erwähnten Felder engagiert hat. Nein, in vieler dieser Bereichen hat sie Außerordentliches geleistet“, fasste Haußmann zusammen und betonte, wie wichtig diese „zivilgesellschaftliche Komponente der Kommunalpolitik und des bürgerschaftlichen Engagements“ für die Stabilität unserer Demokratie sei. Die Vielfalt der ehrenamtlichen Tätigkeiten der ehemaligen Gymnasiallehrerin Rückert ist zweifelsohne beeindruckend: von Kirchengemeinderat und kirchlicher Jugendarbeit  über Elternbeiratsarbeit, aktiver Mitgliedschaft bei Amnesty International bis hin zum Vorsitz des Partnerschaftskomitees Auenwald-Beaurepaire reichen diese. Nicht zuletzt war Ulrike Rückert etwa 20 Jahre Mitglied des Gemeinderats in Auenwald sowie viele Jahre Mitglied im FDP-Kreisvorstand und Delegierte bei den Landesparteitagen.

Jochen Haußmann MdL bei seiner Laudatio auf Ulrike Rückert

Für ihre Verdienste um die Bundesrepublik wurde Ulrike Rückert 2014 auch bereits das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen und sie wurde „als eine Persönlichkeit gewürdigt, die seit Jahrzehnten für ihre Mitmenschen, für soziale Projekte, für die Partnerschaft zwischen Auenwald und Beaurepaire in Frankreich – und damit für gegenseitiges Verständnis, Offenheit und den Zusammenhalt in Europa einsteht“, so Haußmann. Ulrike Rückert zeichne sich durch „besonderes Durchsetzungsvermögen, Beharrlichkeit und Courage“ aus und habe dieses „nicht nur in der Politik, sondern auch als Antreiber für die deutsch-französische Verständigung und Freundschaft“ immer wieder bewiesen. Auch nachdem sich Rückert aus dem Gemeinderat verabschiedet habe, sei und bleibe sie eine politisch denkende Bürgerin, die mit Sorge die aktuelle Entwicklung in der nationalen und internationalen Politik beobachte, berichtete unser Stiftungsvorsitzender aus Gesprächen mit der Preisträgerin. Rückert werbe „deshalb mehr denn je dafür, dass unsere Demokratie Menschen braucht, die sich dafür engagieren. Die Demokratie braucht starke Gruppen, die sich für sie einsetzen“.

 

Ulrike Rückert bei ihren Dankesworten

Ulrike Rückert äußerte sich in ihren Dankesworten bescheiden über die Ehrung mit der Reinhold-Maier-Nadel. Ihr eigenes Engagement unterscheide sich nicht vom dem vieler anderer Bürgerinnen und Bürger in ihren jeweiligen Kommunen, Kirchen oder Vereinen. „Unsere Gesellschaft lebt vom Ehrenamt und gerade in Baden-Württemberg ist die Bereitschaft, ehrenamtlich zu arbeiten, für viele Menschen selbstverständlich. So war mir mein eigenes ehrenamtliches Engagement auch immer selbstverständlich“, betonte Rückert und fuhr fort: „Die demokratische Idee basiert auf einem Menschenbild, das den Einzelnen für fähig hält, seine und die öffentlichen Angelegenheiten verantwortlich zu regeln. […] Autoritäre, moralische und ideologische Reglementierung, auch Verführung und Lüge widersprechen dem demokratischen Prinzip, sind aber heute wie gestern weit verbreitet und finden auch bei uns neuerdings erstaunlichen Anklang. Freie Menschen brauchen Bildung, ehrliche Information, Werte, Diskurs, Anreize und Chancen für Engagement und Selbsthilfe. […] Die meisten Menschen können und wollen ihre Angelegenheiten für sich selber regeln und setzen sich freiwillig für andere Menschen und ihnen gut und nützlich erscheinende Zwecke ein. Diese Idee ist auch die Wurzel liberalen Denkens und entspricht meiner tiefsten Überzeugung“, so Rückerts Plädoyer. Sie betonte weiterhin, wie wichtig es ist, sich zu engagieren: „Einmischung geht meist nicht allein, wir brauchen Mitstreiter, Gleichgesinnte, Menschen, die uns bestärken und korrigieren“. Gerade auch auf europäischer Ebene sei Zusammenhalt auch über Ländergrenzen hinweg unabdingbar: „Meine Generation teilt über alle Grenzen die Überzeugung, dass ein gemeinsames starkes Europa unsere Zukunft sichert und den Frieden erhält“. Durch bürgerschaftliches Engagement bei der Kontaktpflege, bei Schüleraustauschen, der Organisation von Fahrten etc. werde Friedensarbeit geleistet, so Rückert – nicht für „ein Europa von oben, sondern unser Europa gemeinsamer Werte und Überzeugungen“.

Familie, Freunde und Weggefährten waren gekommen, um die Ehrung Ulrike Rückerts mitzuerleben

 

Ulrike Rückert vergaß in diesem Zusammenhang auch nicht ihren Wegbegleitern und Mitstreitern zu danken und wollte die Reinhold-Maier-Nadel daher nicht nur als persönliche Ehrung verstanden haben, sondern als „eine Ehrung für die Anliegen, für die wir uns zusammen eingesetzt haben und damit für alle, die mit am jeweiligen Ziel gearbeitet haben“. Allen Anwesenden gab sie mit auf den Weg: „Es lohnt, sich politisch zu engagieren; mein Leben hat es bereichert“.

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Autor:Melanie Kögler